Leseprobe aus dem Taschenbuch "Rekorde der Urzeit" von Ernst Probst

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Zu den ersten fischähnlichen Wirbeltieren in den Meeren des Kambriums vor mehr als 510 Millionen Jahren gehört die Gattung Anatolepis. Die Kenntnis von ihr stützt sich allerdings nur auf winzige und fragliche Reste. Die ersten sicheren Funde von fischähnlichen Wirbeltieren stammen aus dem Ordovizium vor mehr als 455 Millionen Jahren. Es waren gepanzerte kieferlose Tiere (Agnatha genannt). Sie gelten als die ersten Wirbeltiere.

Das älteste fischähnliche Wirbeltier Deutschlands hat im Silur vor mehr als 410 Millionen Jahren im Meer gelebt. Es heißt Tolypelepis, war bis zu 25 Zentimeter lang und wurde bei Gräfenhainichen in der Dübener Heide (Sachsen-Anhalt) entdeckt.

Als Vorläufer der ersten Landwirbeltiere gelten die Rhipidistier im Devon vor mehr als 390 Millionen Jahren. Diese Fische konnten sich mit ihren kräftigen Flossen, die bereits den Extremitäten der späteren Amphibien und Reptilien ähnelten, vom Boden abstützen. Der besondere Bau der Gliedmaßen und lungenartige Organe ermöglichten ihnen vielleicht das Überleben beim Austrocknen ihres Lebensraumes. Eventuell waren sie sogar fähig, sich schlängelnd bzw. kriechend in benachbarte Gewässer zu retten. Eine andere Gruppe, die Coelacanthiformes, blieb dagegen im Wasser. Die heute noch als „lebende Fossilien“ an der Ostküste Südafrikas vorkommenden Quastenflosser der Art Latimeria chalumnae gehören zu den Coelacanthiformes.

Die ältesten Panzerfische (Placodermi) Deutschlands lebten im Devon vor mehr als 390 Millionen Jahren im Hunsrückschiefermeer. Sie waren für das Leben am Meeresgrund angepasst und wahrscheinlich schlechte Schwimmer. Der größte unter diesen Panzerfischen war die bis zu 2,50 Meter lange Art Tityosteus rieversi. Andere prächtig erhaltene Panzerfische aus den Hunsrückschiefermeer in der Devonzeit – wie Gemuendina und Lunaspis – sind im Schlosspark-Museum von Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz zu sehen.

Als ältester Lungenfisch Deutschlands gilt die Art Dipnorhynchus lehmanni. Auch sie kam im Devon vor mehr als 390 Millionen Jahren im Hunsrückschiefermeer vor. Diese Art wurde in Bundenbach (Hunsrück) in Rheinland-Pfalz nachgewiesen.

Der größte Raubfisch der Devonzeit vor etwa 370 Millionen Jahren war der maximal 8 Meter lange Dinichthys („Schreckensfisch“). Als die ersten Panzerreste von ihm in Meeresablagerungen von Ohio (USA) entdeckt wurden, fiel es den Experten schwer, zu glauben, dass sie von einem Fisch stammen sollten.

Der größte Süßwasserhai der Permzeit in Deutschland war der maximal 3 Meter lange Orthacanthus senckenbergianus, der vor mehr als 280 Millionen Jahren in Seen des Saar-Nahe-Gebietes jagte. Er konnte schnell schwimmen und fraß kleinere Fische. Skelette von diesem imposanten Süßwasserhai fand man in Lebach (Saarland) und in Niederkirchen (Rheinland-Pfalz).

Die ersten Knochenfische (Telostei) mit vollständig verknöcherter Wirbelsäule existierten im Jura vor etwa 205 bis 135 Millionen Jahren.

Der schönste Haifund aus der frühen Jurazeit in Deutschland vor etwa 190 Millionen Jahren ist ein 1,55 Meter langes Exemplar der Art Hybodus hauffianus aus Holzmaden in Baden-Württemberg. Im Magen dieses Hais wurden die kalkigen Innenskelette (Rostren) von etwa 250 Belemniten – das sind ausgestorbene Tintenfische – entdeckt, die vielleicht den Tod dieses Raubfisches bewirkt haben. Die an einem Ende spitzen Rostren haben sich vermutlich durch die Magenwand gebohrt. Außerdem sind bei diesem Fund zangenartige Gebilde an den Bauchflossen des Hinterleibs sichtbar, die zum Festhalten des Weibchens bei der Kopulation dienten.

Die größten Schmelzschuppenfische Deutschlands aus der Jurazeit vor etwa 150 Millionen Jahren wurden in Meeresablagerungen der Gegend von Solnhofen in Bayern entdeckt. www.solnhofen.de.vu Sie waren bis zu 2,50 Meter lang und werden Lepidotes maximus genannt. Zu ihrer Nahrung gehörten hartschalige Muscheln und Krebse, die sie mit ihren Pflasterzähnen knackten.

Die ältesten Aale kennt man aus der Kreidezeit vor etwa 135 bis 65 Millionen Jahren. Zu ihren gehört die Gattung Ureuchelys aus dem Libanon.

Die größten Süßwasser-Fische Deutschlands im Eozän vor etwa 45 Millionen Jahren waren die bis zu 80 Zentimeter langen Schlammfische (Amia kehreri) und Knochenhechte (Atractosteus strausi). Reste von Schlammfischen sind aus der Grube Messel bei Darmstadt in Hessen und aus dem Geiseltal bei Halle/Saale in Sachsen-Anhalt bekannt. Fossilien von Knochenhechten fand man in Messel, im Geiseltal und bei Eckfeld in der Eifel (Rheinland-Pfalz). Die Schlammfische und Knochenhechte sind Raubfische gewesen, die kleinere Fische fraßen. Der Schlammfisch wird auch Kahlhecht und der Knochenhecht auch Krokodilhecht genannt. In Frankreich gab es sogar 2,60 Meter lange Schlammfische der Gattung Amia.

Der älteste Fund eines kompletten Süßwasseraals der Gattung Anguilla stammt aus der Grube Messel. Er ist etwa 45 Millionen Jahre alt und 63 Zentimeter lang. Der Fund wird im Naturhistorischen Museum Mainz aufbewahrt.

Der größte Hai Deutschlands im Oligozän vor etwa 35 bis 30 Millionen Jahren jagte im Mainzer Becken größere Fische und Seekühe. Er heißt Procarcharodon, war vermutlich bis zu 10 Meter lang und trug bis zu 8 Zentimeter lange dolch-artige Zähne. Insgesamt besaß er mehr als 160 Zähne. Der weitläufig mit dem Weißen Hai verwandte Raubfisch war damals das größte Lebewesen in der etwa 300 Kilometer langen und maximal 40 Kilometer breiten Meeresstraße, welche das Nordmeer in Norddeutschland mit dem Meer im heutigen Alpenvorraum verband.

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